Zum Inhalt springen
01Technologie

Chemisches Recycling von Kunststoffabfällen: Ein Durchbruch in München

IFAT München 2026 wird von der Kooperation zwischen Vary Tech, Evonik und SupeZET geprägt sein. Gemeinsam präsentieren sie ein neuartiges Verfahren für chemisches Recycling, das hochwertige Produkte wie PPO und Kreislaufnaphtha erzeugt.

Tobias Hartmann24. Juni 20263 Min. Lesezeit

In der Diskussion über nachhaltige Lösungen für die Kunststoffindustrie gibt es einen weit verbreiteten Konsens: Recycling ist der Schlüssel zur Bekämpfung der Plastikflut. Die überwältigende Mehrheit geht davon aus, dass die herkömmlichen Recyclingmethoden, wie das mechanische Recycling, die besten Wege sind, um Abfälle in den Kreislauf zurückzuführen. Doch was wäre, wenn das nicht die ganze Wahrheit ist?

Die Partnerschaft zwischen Vary Tech, Evonik und SupeZET, die ihre innovativen Ansätze auf der IFAT München 2026 präsentieren, stellt diese konventionelle Sichtweise in Frage. Anstatt nur die bestehenden Methoden zu optimieren, setzen die Unternehmen auf chemisches Recycling, um aus Kunststoffabfällen hochwertige Produkte wie Polyphenol-Oxid (PPO) und Kreislaufnaphtha zu gewinnen. Diese chemischen Prozesse könnten eine viel versprechende Lösung darstellen, um die Effizienz des Recyclings erheblich zu steigern.

Eine neue Perspektive auf Recycling

Die Kritik an mechanischem Recycling ist, dass es in vielen Fällen nur eine begrenzte Wiederverwertung ermöglicht. Oftmals werden nur bestimmte Kunststoffe überhaupt recycelbar, und selbst dann bleiben die Qualität und die Eigenschaften des Endprodukts hinter den Erwartungen zurück. Zudem sind die Prozesse energieaufwendig und oftmals nicht nachhaltig. Im Gegensatz dazu ermöglicht chemisches Recycling, das auf Molekularebene funktioniert, eine Rückführung von Kunststoffen in ihre ursprünglichen monomeren Bestandteile. Dies erlaubt eine nahezu verlustfreie Wiederverwertung und erhält die hochwertigen Eigenschaften der Ausgangsmaterialien.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Flexibilität der neuen Methode. Während herkömmliches Recycling oft an bestimmte Materialtypen gebunden ist, kann chemisches Recycling mit einer breiteren Palette von Kunststoffabfällen umgehen. Das bedeutet, dass auch komplexe Verbundstoffe, die schwer zu recyceln sind, eine zweite Chance erhalten können. Dies könnte dazu beitragen, die Masse an Kunststoffabfällen, die auf Deponien landen oder in die Umwelt gelangen, signifikant zu reduzieren.

Allerdings hat die konventionelle Sichtweise in Bezug auf Recycling auch ihre Daseinsberechtigung. Mechanisches Recycling hat in vielen Ländern bereits eine etablierte Infrastruktur, und die Technologien sind weit verbreitet und getestet. Zudem sind die Anfangsinvestitionen für mechanische Recyclinganlagen im Vergleich zu den erforderlichen Investitionen für chemische Prozesse oft geringer. Dies führt zu einem langsameren Wandel in der Industrie, die sich auf bewährte Methoden stützt. Gleichzeitig wird den Entwicklungen im chemischen Recycling eine Hemmschwelle entgegengebracht, da die neue Technologie erst noch skalierbar und wirtschaftlich rentabel gemacht werden muss.

Dennoch ist es entscheidend, dass wir den Fortschritt in der Recyclingtechnologie nicht ignorieren. Vary Tech, Evonik und SupeZET schaffen mit ihren innovativen Lösungen ein neues Fundament für die zukünftige Kunststoffverwertung. Die Möglichkeit, hochwertige Produkte aus Abfall zu generieren, könnte nicht nur die Effizienz des Recyclings steigern, sondern auch den Anreiz für Unternehmen erhöhen, verantwortungsbewusster mit Ressourcen umzugehen.

Ein weiteres Argument für das chemische Recycling ist die Schaffung eines geschlossenen Kreislaufs. Anstatt neuartige Rohstoffe aus Erdöl zu gewinnen, was nicht nur umweltschädlich, sondern auch ökonomisch fragwürdig ist, könnten Unternehmen durch die Wiederverwendung von Abfallstoffen ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern. Dies könnte nicht nur die Umweltbelastung reduzieren, sondern auch neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen.

Die Entwicklungen der Kooperation zwischen Vary Tech, Evonik und SupeZET auf der IFAT München 2026 könnten als Katalysator für Veränderungen in der Branche dienen. In einer Zeit, in der nachhaltige Praktiken mehr denn je gefordert sind, könnte die Erschließung neuer Ansätze zum chemischen Recycling entscheidend sein, um die Kunststoffindustrie auf einen nachhaltigeren Kurs zu bringen.

Das große Fragezeichen ist jedoch, wie schnell diese Technologien wirklich in der Praxis umgesetzt werden können. Brauchen wir nicht eine klare politische und wirtschaftliche Unterstützung, um den Wandel voranzutreiben? Das klingt nach einer Herausforderung, bei der alle Akteure gefragt sind, um die neuen Möglichkeiten des chemischen Recyclings zu realisieren und tatsächlich in den Kreislauf zu integrieren.

Die IFAT München 2026 wird somit nicht nur eine Plattform für neue Technologien sein, sondern auch ein bedeutender Ort für Diskussionen über die Zukunft des Recyclings und die notwendigen Schritte hin zu einer nachhaltigeren Kunststoffwirtschaft.

Aus unserem Netzwerk